Ausgabe des Wochenblattes Hallo Maintal, erschienen am Mittwoch dem 04.August 2010

Seele Klara - Eine Kindheit in Unterfranken

Christa Le Blond -eine ambitionierte Schriftstellerin aus Unterfranken:

Angst um den Vater der Soldat ist, Mangel an allen Ecken und Enden, Kinderseelen in Not die keiner beachtet, aber auch Freiheit und Freundschaften oft ' lebenslang, . prägten die Kindheit der Menschen gegen Ende des Krieges und in der Nachkriegszeit. Diese Lebensumstände musste auch Christa in Giebelstadt und Sulzdorf ertragen, gemeinsam mit ihren Geschwistern. Der Vater kam einfach nicht aus dem Krieg zurück, schmerzlich vermisst von seiner Ältesten.

Fast ein ganzes. Leben lang hat Christa Le Blond die Ängste und Nöte ihrer Kindheit mit sich herumgetragen. Jetzt hat sie die Erlebnisse aufgeschrieben. Christa wurde Klara - geboren im Schloss von Lindberg und später nach Eichdorf 'übersiedelt. In dem Roman „Seele Klara" beschreibt sie mit den Erlebnissen des kleinen Mädchens ein Stück Nachkriegsgeschichte in einem unterfränkischen Dorf. „Lindberg ist Giebelstadt und Eichdorf ist Sulzdoif", erklärt Christa Le Blond.

Immer ist Klara zur Stelle wenn wieder Kriegsheimkehrer erwartet werden, doch der Vater ist nie dabei. Mit niemanden kann das kleine Mädchen die Trauer teilen. Stattdessen zieht der neue Freund bei der Mutter ein. Die älteste Tochter seiner Lebensgefährtin ist ihm von Anfang an ein Dorn im Auge. Zu dem Psychoterror kommt sehr schnell körperliche Gewalt, bis zum Missbrauch. Klara flüchtet in eine andere Welt, in „ihre" Welt. Auf dem Dachboden trifft sie sich mit Wong-Wang, dem weisen Chinesen. Diesem unsichtbaren Freund vertraut sie ihre Sorgen an. Dazu kommt ein Freund des Vater der sich gemeinsam mit seiner Frau um die Kinder kümmert und der dem kleinen Mädchen Ratgeber, und väterlicher Freund ist. Mit dem `Einzug der amerikanischen Streitkräfte werden die Wohnungen in Giebelstadt gebraucht, die Familie zieht nach Sulzdorf. Denn häuslichen Gewaltausbrüchen. des Partners der Mutter entflieht das tapfere, phantasievolle Mädchen, ist den ganzen Tag auf den Straßen unterwegs. Mit den Kindern aus dem Dorf entwickeln sich Freundschaften die zum Teil bis heute noch bestehen. „Wir waren bei Wind und Wetter auf der Straße" erinnert sich Christa Le Blond, „das war aber in allen Familien so".

Das sind die 'schönen Erinnerungen an ihre Kindheit. Dabei hatte die Familie die denkbar schlechtesten Voraussetzungen. Da ist nicht nur eine Mutter mit vier Kindern die in einer wilden Ehe mit einem deutlich jüngeren Mann lebt, die Familie ist außerdem noch evangelisch. „Das Wort Bankert habe ich schon öfter gehört". Und dennoch sind da aber auch schöne Erinnerungen an Kinderfreundschaften und die Freiheiten in Wald und Flur.

Es sei ein Stück Befreiung gewesen, als nach zwei Jahren die letzte Seite geschrieben war, erinnert sich Christa Le Blond. Ehemann und Söhne haben die Autorin ermuntert ihre Autobiografie zu veröffentlichen. Die Resonanz auf das Buch sei durchwegs positiv, freut sich Christa Le Blond. „In Giebelstadt und Sulzdorf gibt es fast keine Familie die das Buch nicht gelesen hat", schmunzelt sie. Aber der Generation ihrer eigenen Enkelkinder müsse sie die Lebensumstände in der Nachkriegszeit erst erklären.

Der Roman „Seele Klara" ist in der Buchhandlung am Turm in Ochsenfurt oder bei Hugendubel in Würzburg zu kaufen.